im Rahmen einer Andachtsfeier am Samstag, 01. Dezember 2007 um 17.00 Uhr,  wurde der neugestaltete "Raum der Stille" in der Katharinenkirche eingeweiht

 

Allgemeine Zeitung vom 03.12.2007 von Achim Schiff

 

Engel bringt Himmel nahe

Raum der Stille in Katharinenkirche


OPPENHEIM Georg Friedrich Händels Flötensonate und eine Bearbeitung von Johann Gottfried Walthers "Wachet auf, ruft uns die Stimme" umrahmten die feierliche Andacht im Westchor der Katharinenkirche zur Eröffnung des "Raums der Stille" durch den Kirchenbeirat.

Die ehemalige Sakristei wandelte sich zu einer kleinen, fast intimen Enklave der Besinnung. Die aus der Pfalz stammende, in Oppenheim wahlbeheimatete Künstlerin Carmen Stahlschmidt schuf eigens für die beeindruckende und doch bescheidene Nische des gotischen Sakralbaus eine Engelsskulptur, die mit Rauschgold-Kitsch ebenso wenig gemein hat wie mit heroischen Gesten. Der Kulturkritiker Walter Benjamin bedauerte schon in den 20er Jahren den "Verlust der Aura", welche "technische Reproduzierbarkeit" Kunstwerken antue. Stahlschmidts Bronzearbeit scheint den Intellektuellen Lügen zu strafen. Denn fraglos weiht dieser "Angelus Novus", den Benjamin sich für die Moderne wünschte, den Ort. Aura meint nämlich nicht das Erstarren angesichts überirdischer Herrlichkeit, sondern vielmehr "das vergessen Menschliche". Stahlschmidts keineswegs zentraler Engel, mit flüchtiger Geste dem Himmel nah, gestattet Besuchern die individuelle Zwiesprache mit Gott oder mit sich selbst. Die scheinbar tote Materie zeigt sich erfüllt von Transzendenz und animiert Gäste, Gebete oder Hoffnungen ins "nahe-liegende" Fürbittenbuch zu notieren oder auf dem vom Oppenheimer Architekten Wolfgang Röber entworfenen, vom gleichfalls ortsansässigen Meisterbetrieb Enno Willius verwirklichten Kerzentisch, nach mehr Licht zu greifen.

In enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Bauabteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau glückte das Unterfangen, den spätgotischen Sakralbau mit dieser Kapelle sinnvoll zu bereichern. Die nötige Investition von 8000 Euro ist bis auf einen Restbetrag durch Spenden und Kirchenmitteln bereits finanziert. Aus theologischer Sicht erinnerte Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator an Engel, "die uns in Bewegung bringen" wie jene, die den Hirten zu Christi Geburt erschienen. Doch erwähnte sie auch ihre Aufgabe, "Leben am Ort des Todes" zu verkünden, wie von Jesu Grab berichtet wird.

Dietmar Gross, in Dienheim wirkender Künstler und Beiratsvorsitzender, lobte die Arbeit einer Bildhauerin, die nicht nur wegen des Formats "über sich hinausgewachsen" sei. Er freute sich insbesondere darüber, dass mit Carmen Stahlschmidt eine Oppenheimerin den überzeugendsten Entwurf eingereicht habe.

Vom Kirchenvorstadt hatte Dieter Graumann mit einer Lesung aus Psalm 55, eigentlich Erntedank verpflichtet, zur Andacht beigetragen, während Gregor Ziorkewicz ein Gebet formulierte, das den "neuen Raum der Stille" würdigte.

Die Oppenheimer Künstlerin Carmen Stahlschmidt schuf eigens für den "Raum der Stille" im Westchor der Katharinenkirche eine Engelsskulptur.Foto: hbz/ Kristina

aus...

zurück zur Homepage